Der Eichenbaum

Heut’ Nacht ist widerfahren
mir ein gar seltsam Traum
von einem wunderbaren,
gewalt’gen Eichenbaum.

Die Eiche grünte prächtig,
ernährte Vieh und Wild;
die Blätter rauschten mächtig,
ihr Schatten kühlte mild.

Manch Sau kratzte den Buckel
sich an der Borke rauh;
die Eiche tat’s nicht jucken,
im Gegensatz zur Sau.

Ich wollte Eicheln lesen
in einen güld’nen Krug;
doch den zerschlug ein Besen,
der da herbeie flug.

Auf dem saß eine Hexe
aus tiefstem Höllenschlund:
Die scherte kein Gesetze;
das schien mir ungesund.

Dann sah ich Schwefel rinnen
und tropfen, schwarz wie Pech:
Sie brannte wie von Sinnen
die Eich’ samt Säuen weg.

Daran war nun das Schrägste:
Der Säue Überzahl
ein Loblied sang der Hexe,
stritt ab die eigne Qual.

Verkauft wie auch verraten,
das seid ihr armen Wicht’:
Selbst wenn sie euch schon braten,
riecht ihr den Braten nicht!

Inspiriert durch das Volkslied Ich hab die Nacht geträumet
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