Gebt mir meinen Jesum wieder!

„Gebt mir meinen Jesum wieder!“,
eine Arie heißt bei Bach.1
Ich stimm’ ein in diese Lieder;
denn auch mir macht Ungemach,
daß viel Pseudo-Koryphäen
willkürlich die Schrift verdrehen.

Stimmt das denn die Pfaffen heiter
(und nicht nur im deutschen Land)?
Ständig treiben sie es weiter,
rühmen laut sich ihrer Schand’
und verdienen fette Summen
damit, Menschen zu verdummen.

Jenen Jesus, der das Licht
dieser Welt, verleugnen sie:
Nein, der sei historisch nicht;
so ihre Theolügie.
Somit zwischen „Wissenschaft“
und Wahrheit eine Lücke klafft.

Sehr viel weiter diese Lücke
ist als Lessings garst’ger Graben;
dienen könnte nichts als Brücke,
um zu wehren jenem Schaden.
Dem gebührt, daß Gott ihn richte
am Jüngsten Tag der Weltgeschichte.

Jung noch war ich schwer in Nöten
durch „historische Kritik“:
Die drohte mir abzutöten
Jesus, Glauben, ew’ges Glück.
Heute aber bin ich froh:
Letzten Endes half Gott so.

Denn es stellte sich die Frage,
was für glaubhafter ich hielt:
Menschenmeinung, Göttersage
oder den, der niemals fehlt?
Als zuletzt ich das verstand,
sah ich endlich wieder Land.

Fest gemauert in der Erden
muß nicht nur die Glocke sein;
gegen geistlich’ Bauchbeschwerden
hilft ein fester Glaube fein,
selbst wenn in der Überzahl
Gottlose sind allemal.

Ob sie sich Doktoren nennen,
Professoren, Pfaffen, Papst:
Die doch selber Gott nicht kennen,
nehmen nie mir, was ich hab!
Niemand stößt den HERRN vom Thron,
der die Wahrheit in Person.

„Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,
worauf soll der Glaube ruh’n?“
Amen! Die’s mir einst vergällten,
über diese lach’ ich nun.
Wer vertraut allein auf Gott,
schätzt gering der Menschen Spott.

Niemand kann mir wiedergeben
Jesus, wenn ich’s recht bedenk’;
denn es steht bei ihm mein Leben,
der das ganze Weltall lenkt.
Darum: Wenn ich stets war sein,
dann bleibt er auch immer mein!

Drum laß dich nicht irremachen,
und wohlan, vertrau auf ihn,
dessen Wort in allen Sachen
wahr und dir zum Besten dient!
Menschenmeinung rasch vergeht;
ewig Gottes Wort besteht.


1In Bachs Matthäus-Passion. Eine schöne Aufnahme hier bei YouTube (Münchener Bach-Chor und -Orchester, 1971).

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