Eine Hiobsbotschaft! Oder: Zur Abwechslung mal etwas Aufbauendes

Da ich nun in diesem Blog bisher fast ausschließlich auf sog. „Hiobsbotschaften“ reagiert habe, meldete sich neulich mein Gewissen zu Wort: „Aber hallo, enthältst du deinen Lesern nicht das Wichtigste und Beste vor – die gute Botschaft schlechthin, das Evangelium?“ Und das zum 500. Reformationsjubiläum! Da darf man doch nicht jener Dame das Feld überlassen, die von der EKD zur „Reformationsbotschafterin“ ernannt wurde und zugleich Kernpunkte des Evangeliums leugnet. „Reaktionär Doe“ hat ihr einen wenig schmeichelhaften Kosenamen verpaßt, den ich aber durchaus verstehen kann…

„Hiobsbotschaft“ – so nennt man gewöhnlich schlechte Nachrichten. Kein Wunder, wenn man an Hiobs Geschichte denkt: Er verlor allen Besitz, alle seine Kinder, zuletzt auch seine Gesundheit. Nur seine törichte Frau blieb ihm, die ihm riet, Gott zu verfluchen, damit der ihn dafür auf der Stelle umbrächte (Hiob 2,9). Dann wäre es ihrer Meinung nach wohl in der Hölle angenehmer als im irdischen Jammertal?! Es soll ja selbst heute noch genauso törichte Frauen geben – wie auch Männer.

Drei Freunde Hiobs wollten ihn trösten, gaben aber nur dumme religiöse Gemeinplätze von sich. „Leidige Tröster“ mußte er sie nennen (Hiob 16,2), und auch das geflügelte Wort: „Mit euch wird die Weisheit aussterben!“, stammt von ihm (Hiob 12,2). Gott höchstpersönlich bescheinigte jenen Drei: „Ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob“ (Hiob 42,8).

Das Buch Hiob ist alles andere als eine sog. „Hiobsbotschaft“. Es enthält – sozusagen in „Keimform“ – bereits Kernpunkte des Evangeliums. Und wenn das Evangelium nicht gäbe, könnte man an dieser Welt wirklich nur verzweifeln. Es ist nun mal die einzige Welt, die es gibt, und die liegt gänzlich im Argen (1. Johannes 5,19). Aber halt – es gibt in der Tat noch eine weitere Welt:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen… (Offenbarung 21,1)

Die zukünftige Welt wird Jesus Christus schaffen, wenn er wiederkommt. Nur muß ich hier leider schon wieder Wasser in den Wein schütten: So, wie wir sind, kommen wir dort nicht hinein. Du und ich nicht. Überhaupt kein Mensch. Denn Gott ist heilig, gut und gerecht, wir hingegen unrein, böse und gottlos. Vielleicht sind wir nach menschlichem Ermessen „gute Menschen“, doch vor Gottes absoluter Heiligkeit sehen alle unseren „guten Werke“ ziemlich trostlos aus:

So sind wir denn alle einem Unreinen gleich geworden und alle unsere gerechten Taten wie ein blutbesudeltes Gewand… (Jesaja 64,5)

Nein, vor dem absolut heiligen Gott kann kein Mensch bestehen (Römer 3,10-20):

»Es gibt keinen Gerechten, auch nicht einen; es gibt keinen Einsichtigen, keinen, der Gott mit Ernst sucht; sie sind alle abgewichen, allesamt entartet; keiner ist da, der das Gute tut, auch nicht ein einziger.« (Ps 14,1-3)
»Ein offenes Grab ist ihre Kehle, mit ihren Zungen reden sie Trug.« (Ps 5,10)
»Otterngift ist unter ihren Lippen.« (Ps 140,4)
»Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit.« (Ps 10,7)
»Schnell sind ihre Füße, Blut zu vergießen; Verwüstung und Unheil sind auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens kennen sie nicht.« (Jes 59,7-8)
»Keine Furcht Gottes steht ihnen vor Augen.« (Ps 36,2)

Wir wissen aber, daß das Gesetz alles, was es ausspricht, denen vorhält, die unter dem Gesetz sind; es soll eben einem jeden der Mund gestopft werden und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sein; denn aufgrund von Gesetzeswerken wird kein Fleisch (= Mensch) vor Gott gerechtfertigt werden (Ps 143,2); durch das Gesetz kommt ja (nur) Erkenntnis der Sünde.

Hier führt Paulus zahlreiche Zitate aus dem Alten Testament an. Die ganze Bibel bezeugt klar, daß der Mensch ein Sünder ist – er bricht nicht nur Gottes Gebote, sondern ist auch vor Gott völlig verdorben und absolut unfähig, ihm zu gefallen. Aber nicht daß noch jemand denkt, ich würde alles und jeden nur schlechtreden. Direkt anschließend beginnt Paulus, den Kern des Evangeliums zu erklären, der „guten Botschaft“ (Römer 3,21-26):

Nun aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, gleichwohl bezeugt vom Gesetz und den Propheten: Die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus für alle Glaubenden. Denn es gibt keinen Unterschied [d.h. zwischen Juden und Heiden], weil alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes verfehlen. So wird ihnen die Rechtfertigung als Geschenk zuteil durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott zum Sühneopfer bestimmt, durch den Glauben an sein Blut…, um sich selbst als gerecht zu erweisen wie auch den für gerecht zu erklären, der an Jesus glaubt.

Weil das für nicht bibelfeste Leser vermutlich schwer verständlich ist, hier ein paar kurze Erklärungen:

  • „unabhängig vom Gesetz“: d.h. unabhängig von der (absoluten) Gerechtigkeit, die das Gesetz des Alten Bundes fordert: „Denn alle, die auf Gesetzeswerke bauen, stehen unter einem Fluch, weil geschrieben steht (5.Mose 27,26): ‚Verflucht ist jeder, der nicht in allem verharrt, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun'“ (Gal 3,10). Das Gesetz des AT ist nicht schlecht, sondern ganz im Gegenteil „heilig, gerecht und gut“; schlecht ist vielmehr der Mensch. Aber das Gesetz kann keinen Menschen erlösen: „Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch [d.h. die sündige Natur des Menschen] kraftlos war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn…“ (Röm 8,3).
  • „die Gerechtigkeit Gottes“: von Paulus hier in zweierlei Hinsicht verwendet – zum einen Gerechtigkeit als Gottes Eigenschaft, zum anderen als „die Gerechtigkeit [des Menschen], die vor Gott gilt“ (so Luthers Übersetzung), d.h. die Gott ihm anrechnet.
  • „bezeugt vom Gesetz und den Propheten“: Mit „Gesetz und Propheten“ sind hier die Schriften des Alten Testaments gemeint. Schon dort wurde vielfach das Kommen Christi angekündigt. Das ganze AT bezeugt auch: Die Gebote sind zwar gut, aber kein Mensch wird dadurch vor Gott gerecht, daß er sie hält – eben gerade weil er sie nicht vollkommen halten kann, Gottes Heiligkeit aber vollkommenen Gehorsam erfordert.
  • „weil alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes verfehlen“: Kein Mensch wird dem vollkommenen Maßstab des absolut heiligen Gottes gerecht; das ist unmöglich, weil die Natur des Menschen durch die Sünde völlig verdorben ist.
  • „Rechtfertigung“: bedeutet im biblischen Sprachgebrauch, daß Gott einen Menschen für gerecht erklärt; d.h. jener Mensch gilt als jemand, der Gottes heiligem Gesetz völlig gerecht wird.
  • „So wird ihnen die Rechtfertigung als Geschenk zuteil“: als vollkommen unverdientes und unverdienbares Geschenk. Gott erklärt elende Sünder, die an seinen Sohn glauben, für gerecht, obwohl sie tatsächlich alles andere als gerecht sind und es nie verdient haben, gerettet zu werden.
  • „durch seine Gnade“: weil Gott sich über sündige Menschen erbarmt, ohne daß er dazu verpflichtet wäre.
  • „durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist“: Nur durch die Erlösung, die Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz vollbracht hat, werden wir gerettet. Weil Jesus sündlos war, trug er stellvertretend die Strafe für die Sünden aller, die an ihn glauben. Ihm rechnet Gott die Sünden aller Gläubigen an wie umgekehrt allen Gläubigen die Gerechtigkeit Christi. Einen anderen Weg zum Heil gibt es nicht:

… und in keinem andern [als in Jesus Christus] ist das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir gerettet werden sollen. (Apg 4,12)

Alles in allem:

Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. Wir urteilen nämlich, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde, unabhängig von Gesetzeswerken. (Röm 3,27-28)

Das heißt:

  • Es ist ausgeschlossen, daß ein Mensch sich rühmen könnte, selbst etwas zu seinem Heil beigesteuert zu haben.
  • Das „Gesetz der Werke“ – der Alte Bund vom Sinai, der vollkommene Gerechtigkeit forderte – kann keinen Menschen gerecht machen, weil der sündige Mensch es niemals vollkommen erfüllen kann.
  • Das „Gesetz des Glaubens“ hingegen – der Neue Bund, den Christus am Kreuz von Golgatha durch seinen Opfertod schloß – sehr wohl!

Dies steht im völligen Gegensatz zu dem, was die römisch-katholische Kirche lehrt: Demnach müssen die Gläubigen durch die Priester und die Sakramente sowie durch „gute Werke“ das Heil empfangen, also im Klartext ihr eigenes Scherflein zur Errettung beitragen! – Das ist heute noch ebenso offizielle Lehre Roms wie schon zu Luthers Zeit. Rom vermengt Glauben und Werke als Weg zum Heil. Das aber ist unmöglich. Christus allein hat unser Heil gewirkt, das wir allein im Glauben an ihn empfangen und nicht durch unsere „guten Werke“ erarbeiten.

Genau das ist es, was Martin Luther in der Bibel wiederentdeckte und was schließlich zur Reformation führte: Gott erbarmt sich über sündige Menschen, die nichts als die Hölle verdient haben, und schenkt ihnen durch den Glauben an Jesus Christus die Vergebung ihrer Sünden und das ewige Leben.

Pardon, das hätte ich beinahe unterschlagen: Jesus ist von den Toten auferstanden! Wie auch sollte ein Toter ewiges Leben geben können? Seine Auferstehung bestätigt, a) daß er der Messias = Christus ist und b) daß sein Tod stellvertretend für alle geschah, die an ihn glauben:

Diesen Jesus hat Gott auferweckt: dafür sind wir alle Zeugen … So möge denn das ganze Haus Israel mit Sicherheit erkennen, daß Gott ihn zum Herrn und zum Christus (= zum Messias) gemacht hat, eben diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt! (Apg 2,32.36)

Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, das seine Propheten in den Heiligen Schriften verheißen haben, von seinem Sohn, einem Nachkommen Davids nach seiner leiblichen Abstammung, als Sohn Gottes aber erwiesen durch die Kraft des Heiligen Geistes, der die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus von den Toten bewirkt hat. (Römer 1,1-4)

[Gottes Allmacht,] die er an Christus erwiesen hat, als er ihn von den Toten auferweckte und ihn in der Himmelswelt zu seiner Rechten sitzen ließ… (Eph 1,20)

Denn auch Christus ist ein für allemal um der Sünden willen gestorben, als Gerechter für Ungerechte, um uns zu Gott zu führen: Er wurde getötet nach dem Fleisch (= im Leib), doch wurde lebendig gemacht nach dem (= durch den) [Heiligen] Geist. (1. Petrus 3,18)

Wenn du jetzt meinst: „Tot ist tot und bleibt auch tot!“, dann stimmt das gewöhnlich. Dracula und andere „Untote“ sind in der Tat Ammenmärchen. Aber daß Jesus von den Toten auferstanden ist, ist kein frommes Märchen, sondern eine bestens bezeugte historische Tatsache. Bezeugt durch zahlreiche Indizien und Beweise, die auch außerhalb der Bibel liegen. Der Kürze halber empfehle ich das Buch von Josh McDowell, Die Tatsache der Auferstehung. Das Buch kann man unter diesem Link auch kostenlos als PDF herunterladen. (Den Nachtrag mit einem ziemlich verkürzten „Evangelium“ finde ich allerdings ziemlich übel, aber der Hauptteil ist schon lesenswert.)

Hm, nun ist dieser Beitrag doch schon ziemlich lang geworden. So lang, daß manche Zeitgenossen vielleicht schon überfordert sind. Darum hier erst mal ein Doppelpunkt. D.h.: Mehr demnächst, so Gott will und ich lebe.

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