Meinungsfreiheit

Verbreitet tritt heut in Erscheinung,
daß relativ nur frei die Meinung.
Zwar lese ich und staun nicht schlecht,
daß bindend sei für alles Recht
sprechungs, -gebungs, -ausführwesen,
was da im Grundgesetz zu lesen;

doch Goethe schon beschrieb es wie?
Daß grau ist aller Theorie!
Denn leider ist kein grüner Baum
die Praxis, das – ist nur ein Traum.
Frei bist du nämlich bloß zu sagen,
was denen droben mag behagen.

Doch denkst du anders und erdreist’ dich,
es auszusprechen: Hundertdreißig!
So lautet im StGB
der Paragraph, der hoch an Höh’
das Grundgesetz gar überragt,
obwohl man’s amtlich anders sagt.

Dem Strafgesetzbuch wundersam
hier nichts als unterliegen kann,
was die Verfassung garantiert;
warum, das hab ich nie kapiert.
Das liegt an mir, dem dummen Schaf,
und nicht am Gummiparagraph.

Nun, angesichts solch weiser Richter
dünkt mich, man braucht allhier mehr Dichter;
denn wie gewisse Richter richten,
fehlt ihnen wohl was abzudichten.
Ob etwa in Justitias Welt
vielleicht manch Dachziegel gar fehlt…?

(Das kam mir anläßlich dieses juristischen Narrenstreichs in den Sinn.
Erfreulicherweise hat die nächsthöhere Instanz das Urteil aufgehoben
und das Verfahren eingestellt.)

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