Beschnitten am Verstand?

Meine Güte, was gehen gerade die Wellen hoch! Und anscheinend ist noch kein Ende der Debatte in Sicht. Da hat das Kölner Landgericht entschieden, daß es sich bei Beschneidung um Körperverletzung handelt (rein formaljuristisch korrekt), und schon geht man auf allen Seiten wie auf Knopfdruck an die Decke. Ich kann ja verstehen, daß man auf eine solche Frage höchst emotional reagiert – sei es, weil man als Jude oder Moslem sich in seiner Identität angegriffen fühlt, sei es, weil man diesen Brauch als barbarisch verachtet. Aber bitte mal ernsthaft: Was wir hier und jetzt dringend brauchen ist eine Versachlichung der Debatte, und zwar auf beiden Seiten, Pro & Contra.

Zugegeben, auch mir fällt es schwer, ein kühles Gemüt zu bewahren. Nicht, weil ich für oder gegen die Beschneidung wäre (ich meine, hier eine annähernd neutrale Position einzunehmen),* [Hierzu bitte meinen Nachtrag vom 03.12.2016 beachten, siehe unter den Fußnoten!] sondern weil mir die (Un-) Art und Weise dieser Debatte ziemlich sauer aufstößt. Ich habe mich bei x-facher Durchsicht bemüht, diesem Artikel allzu heftige Spitzen zu nehmen. Ganz gelungen ist es mir nicht, ich kann halt schwer über meinen Schatten springen; zuweilen dünkte mich schon, als hätte beim Schreiben der werte Kewil meine Hand geführt… 😉 Es sollte aber auch kein dröger Lexikonartikel werden. Möge der Leser mir daher manche im folgenden Text verbliebene emotionale Aufwallung nachsehen.

Widmen wir uns zunächst einmal den „bösen“, da angeblich rechtsradikalen[1] Jungs von PI, mit denen ich – Huch! – durchaus sympathisiere. In einer Presselandschaft, die man trefflich mit der DDR-Vokabel „sozialistische Einheitsfront“ bezeichnen kann oder etwas altertümelnder auch als „Hofberichterstatter“, ist mir nämlich grundsätzlich jede Opposition lieb, die diesen Namen noch wert ist, die gegen den Strom schwimmt und die Fahne für bürgerlich-konservative Positionen hochhält.

Aber was ist jetzt auf PI zum Thema Beschneidung los? Ein Blog-Eintrag jagt den anderen, und einer unterbietet den anderen an unreflektierter Emotionalität. Damit meine ich nicht den Kommentarbereich, aus dem man schon manches gewohnt ist, weil die PI-Moderatoren weit toleranter sind als die der Online-Portale der Mainstream-Presse. Vielmehr meine ich damit einige in den letzten Tagen bei PI veröffentlichte Artikel. Gipfel der Dummheit: dieser unerträgliche Unfug. (Vorsicht: die dortigen Fotos einer Beschneidungs-OP sind nicht jedermanns Sache.) Beschneidung und Vergewaltigung würden demnach ursächlich zusammenhängen. Aha. Dann frage ich mich nur, warum unsere Gefängnisse nicht voller jüdischer Sexualstraftäter sind.* [Siehe meinen Nachtrag vom 03.12.2016!]

Ich habe die Artikel zum Thema nicht gezählt, aber gefühlt ist das Dutzend jetzt voll. Meine Nase auch. Vermutlich setze ich mich damit auf allen Seiten in die Nesseln, aber Fakt ist: Die Beschneidung alles Männlichen in Israel ist tatsächlich Gottes Gebot, aber sie ist im Neuen Testament nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Als Heilsweg verstanden wird sie sogar ausdrücklich verworfen (s. Apostelgeschichte 15, Römer 4 und vor allem den Galaterbrief). Wem das nicht schmeckt, der kann sich auch nicht damit herauswinden, daß er die Bibel ganz oder teilweise für eine menschliche Märchensammlung erklärt. Es steht nun mal so drin. Punkt.

Da der Platz hier nicht ausreicht, um die Bibel als Gottes Wort zu verteidigen, möchte ich nur kurz auf folgendes hinweisen:

Exkurs: Ist die Bibel Gottes Wort oder Menschenwerk?

1. Aus jüdischer bzw. alttestamentlicher Sicht:

  • Wer sich Jude nennt, kann nicht behaupten, das AT (oder der Tenach, wie man es im Judentum nennt) sei Menschenwerk. Er entzieht sich damit schon rein logisch die ethnische und religiöse Legitimation.
  • Im Gegensatz zu anderer altorientalischer Literatur zählt die Bibel schonungslos die Sünden und Schwächen ihrer „Helden“ auf. Allein das ist schon ein Argument für ihre Glaubwürdigkeit. Mal unter uns Pastorentöchtern: Man vergleiche dagegen nur die geschönten offiziellen Biographien unserer Lieben Frau von der FDJ Leipzig!
  • Friedrich der Große soll einmal seine Generale gefragt haben, wer ihm einen Gottesbeweis nennen könne. Darauf habe General v. Ziethen knapp geantwortet: „Majestät, die Juden.“ – Zwar ist diese Geschichte wohl nur gut erfunden, doch sie bringt eines auf den Punkt: Nach menschlichem Ermessen kann ohne göttlichen Beistand kein Volk eine zweimalige Exilierung überleben, wie sie die Juden durchmachen mußten (in Babylon 609-539 v.Chr., weltweit von 70 n.Chr. bis 1948 bzw. bis heute). Aber genau dies prophezeien die Bundessegnungen und Bundesflüche von Dtn 27-28! „Und sie [Segnungen und Flüche] werden zum Zeichen und zum Wunder sein an dir und an deinen Nachkommen für ewig“ (Dtn 28,46).
  • Die Bibel weist also ein einzigartiges Merkmal auf: erfüllte Prophetie. Und zwar hundertprozentig erfüllte. Ein falscher Prophet wurde im AT entweder gesteinigt oder machte als Hofnarr Karriere, bis er mitsamt seinem königlichen Gönner ins Exil oder ins Jenseits befördert wurde. Und sage mir niemand, Jesaja wäre über 100 Jahre vor dem Aufstieg des neubabylonischen Reiches auf die Idee gekommen, dieses würde Juda rund 200 Jahre nach seiner Zeit ins Exil führen.
  • Noch kurz zu den letzten beiden Punkten. Ich kenne die „Argumente“ der angeblich „wissenschaftlichen“ Theologie an deutschen Universitäten, denn während meines Theologiestudiums habe ich sie bis zum Erbrechen erdulden müssen. Demzufolge wäre alle biblische Prophetie erst nach den darin geschilderten Ereignissen erfunden worden, um Voraussagen vorzutäuschen. Einen Beweis für solch steile Thesen hat man bisher übrigens nicht erbracht; stattdessen wiederholt man ewig das Vorurteil, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. – Wie verzweifelt müssen eigentlich manche Gottlose sein, um sich solchen Quark auszudenken? Dies erinnert mich fatal an die Schutzbehauptungen von Alt- und Neonazis, den Holocaust hätte es nie gegeben. Und auch wenn ich hier die vermeintliche Torheit eines Herrn Sarrazin wiederhole, die keine ist: Sehr viele Juden haben salopp gesagt tatsächlich ein „Genialitäts-Gen“. Das ist Fakt und sei ohne jeden Neid gesagt; man betrachte nur die überdurchschnittlich hohe Zahl jüdischer Nobelpreisträger! Und ein so intelligentes Volk sollte sich einen solchen Bären wie getürkte Prophetie aufbinden lassen? Eher glaube ich an den Weihnachtsmann!

2. Aus christlicher / neutestamentlicher Sicht bzw. zur Person Jesu:

  • Ein Christ ist per Minimaldefinition jemand, der glaubt, daß Jesus der Christus ist, d.h. der im AT prophezeite Messias (griechisch Christos, lateinisch Christus). Es gehört noch mehr zum Christsein, aber wer dies leugnet, ist per Definition kein Christ.
  • Man kann nicht behaupten, Jesus sei nur ein „guter Mensch“, ein „Religionsstifter“ usw. gewesen, aber nicht der Sohn Gottes. Pardon: Jesus selbst hat ausdrücklich beansprucht, Gottes Sohn zu sein! Und genau deshalb wurde er gekreuzigt (Mt 26,63ff). Wäre er aber nicht Gottes Sohn, dann wäre er kein guter Mensch (gute Menschen lassen sich nicht als Gott anbeten, sondern geben Gott allein die Ehre), sondern entweder ein Lügner übelster Sorte oder völlig meschugge (hebräisch: irre, verrückt, von Sinnen). Den Sensibelchen unter den Christen, die dies lesen und darob erschrecken, sei klargestellt, daß ich glaube und bekenne: Jesus ist der Christus! Alternative 2+3 fallen somit ersatzlos weg. Nichts anderes will ich damit sagen.
  • Christus hat das gesamte AT als unfehlbares Wort Gottes bestätigt (Aussprüche Jesu wie „Es steht geschrieben“, „die Schrift muß erfüllt werden“, „die Schrift kann nicht gebrochen werden“ usw. sind Legion). Zwar sind manche alttestamentliche Ordnungen wie die Beschneidung im Neuen Bund aufgehoben, aber niemand kann behaupten, die Gebote des AT seien menschliche Erfindungen. Das hieße Gott zum Lügner machen.

Ende des Exkurses, und damit zurück zum Thema. Ebenso wie die Beschneidung waren im AT auch die blutigen Tieropfer von Gott geboten – PETA, übernehmen Sie! Und um noch eins draufzusetzen: sogar die Steinigung von Unzüchtigen, Ehebrechern und Gotteslästerern, die Verbrennung unkeuscher Priestertöchter bei lebendigem Leib sowie die Ausrottung der heidnischen Völker bei der Eroberung Kanaans durch die Israeliten.[2] Ohne menschliche Mithilfe hingegen äscherte Gott Sodom und Gomorrha ein, und zwar für deren „alternativen Lebensstil“, der seit einigen Jahren nicht nur immer aggressiver beworben wird, sondern dessen Kritiker heutzutage hierzulande auch aggressiv mundtot gemacht und gesellschaftlich geächtet werden. Und der Gipfel des gutmenschlichen Grauens: Das Neue Testament bestätigt, daß die drakonischen Strafen, die das Alte Testament für manche Unmoral und Verbrechen anordnet, vollkommen gerecht sind (s. unten)!

Der Unterschied zum Alten Testament besteht allerdings darin, daß das Neue Testament Staat und Religion trennt. Und das ist auch gut so. Jesus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Der Vollzug zahlreicher alttestamentlicher Strafen ist damit aufgehoben bzw. dem Staat überlassen; die Strafwürdigkeit der betreffenen Sünden vor Gott bleibt hingegen unverändert. Was heißt das? Die Kirche[3] hat z.B. nicht das geringste Recht, vom Staat die Verbrennung von „Ketzern“ zu verlangen. Die diesseitige Höchststrafe lautet in der christlichen Gemeinde auf Exkommunikation. Dem Urteil Gottes am Jüngsten Tag hier und jetzt vorgreifen darf hingegen kein Staat und keine Kirche.

Und eines noch, was gerade in unserer heutigen Zeit der „Political Correctnes“ und Gesinnungsschnüffelei à la DDR 2.0 besonders aktuell ist: Menschen – d.h. Kirche wie Staat! – dürfen allein über Taten urteilen; Gewissen und Gesinnung zu beurteilen steht allein Gott zu. Der Staat hat aber nach wie vor das Recht (und die Pflicht!), Übeltäter zu bestrafen, wobei das NT sogar ausdrücklich die Anwendung der Todesstrafe befürwortet:

Paulus in seiner Verteidigungsrede vor Gericht: Bin ich aber im Unrecht und habe etwas begangen, was des Todes wert ist, so weigere ich mich nicht zu sterben. (Apg 25,11)

Sie [die Gottlosen] erkennen zwar: Wer solches[4] verübt, verdient nach Gottes Rechtsordnung den Tod; aber sie handeln nicht nur selbst so, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun. (Römer 1,32)

Denn sie [die Staatsgewalt] ist Gottes Dienerin, zu deinem Besten. Tust du aber Böses, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; Gottes Dienerin ist sie, eine Rächerin zur Strafe an dem, der das Böse tut. (Römer 13,4)

Wozu ein Schwert gut ist, wissen wir alle. Weder zum Schmusen noch zum Gemüseputzen.

Kommen wir zur anderen Seite, zu den Befürwortern der Beschneidung.

Auch dort wird scharf geschossen. Ich möchte hier nicht auf einen gewissen „Paolo Pinkel“ eingehen. Dieser freundliche Herr hat sich ja schon vor längerem als moralisches Gewissen der Nation disqualifiziert – durch seinen allzu vertrauten Umgang mit dem ältesten Gewerbe der Welt. Nehmen wir stattdessen die von mir durchaus mit Sympathie gelesene „Achse des Guten“. Dort fällt Hannes Stein von der anderen Seite vom Pferd. Daß die dabei von ihm leider streckenweise verwendete Fäkalsprache unter seiner Würde ist, sei nur am Rande vermerkt; wenn er aber die Anhänger Mohammeds seine „Brüder“ nennt, dann solidarisiert er sich mit den Falschen. Vorsicht, Herr Stein: Kain war zwar durchaus Abels Bruder, trotzdem war er nicht gerade lieb und nett zu ihm. Und lesen Sie mal, was der Koran über die Juden schreibt. Gewiß nur Liebes und Nettes – oder…?[5]

Es ist ein schwerer Irrtum zu glauben, Juden und Moslems wären Brüder. Mohammed und seine Nachfolger sind bestenfalls Kuckuckskinder. Wo der Koran Parallelen zur Bibel aufweist, kann man allenfalls die „Prinzen“ zitieren: Das ist alles nur geklaut. Auch die Beschneidung. Wobei Mohammed hier wohl nicht allein Tage mit Jahren verwechselte,[6] sondern auch großzügig über den Neuen Bund hinwegsah. Schaffte dieser manche Ordnungen des Alten Bundes ab, die immerhin von Gott ausdrücklich verordnet worden waren (wie Sabbat, levitisches Priestertum samt Tempel und Opfern usw., aber eben auch die Beschneidung als Bundeszeichen der Zugehörigkeit zum Volk Gottes), so meinte Mohammed, hier das Rad der Geschichte wieder zurückdrehen zu dürfen. Der Apostel Paulus ist da allerdings anderer Meinung. Siehe den Galaterbrief, besonders die Verse 6-8 im ersten Kapitel.

Ich vermute, Anhänger Mohammeds dürften, sollten sie dies lesen, in das übliche Wutgeheul ausbrechen, ihre Religion würde beleidigt. Und wenn sie könnten, würden sie mich vermutlich aus lauter Liebe und Friedfertigkeit gerne einen Kopf kürzer machen. Dem kann ich nur entgegnen: Den Islam als abrahamitische Religion zu bezeichnen ist eine Beleidigung Abrahams! Um einmal folgenden Text sinngemäß anzuwenden, der sich – da vorislamisch – zwar ursprünglich an eine andere Hörerschaft richtet, aber dennoch auf die hier genannte Klientel zutrifft:

Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, dann würdet ihr Abrahams Werke tun. Nun aber versucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe; das hat Abraham nicht getan. (Joh 8,39f)

Wir müssen noch ein wenig weiter „diskriminieren“ (lateinisch: unterscheiden).

Theologisch gesehen haben Juden (aus der Perspektive des AT) das Recht und die Pflicht, ihre neugeborenen Knaben am achten Tag nach der Geburt zu beschneiden. Hingegen findet sich im ganzen Koran kein einziges Gebot, das die Beschneidung vorschreibt; Moslems können sich nur auf nachkoranische Tradition berufen. (Die Frage, wozu man im Islam mündliche Überlieferungen neben dem Koran braucht, wenn dieser doch das ultimative Wort Gottes sein soll, wollen wir hier natürlich nicht einmal zu denken wagen.)

Bei Juden gehört die Beschneidung somit unverzichtbar zu ihrer Identität, bei Moslems hingegen nicht. Kurz gesagt: Theologisch gesehen haben Moslems kein Recht, sich in diese Diskussion einzumischen. Sie veranstalten hier, um es mit Shakespeare zu sagen, „viel Lärm um nichts“.

Rein rechtlich betrachtet allerdings dürfen sich Moslems in dieser Debatte natürlich zu Wort zu melden, denn hier muß ich Hannes Stein recht geben: Es geht um die Abwägung, welches Grundrecht hier den Vorrang hat – das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit oder das Recht der Eltern, ihre Kinder nach ihren Glaubensüberzeugungen zu erziehen.

Und dieses Grundrecht haben zunächst einmal natürlich auch hier lebende Moslems.

Ob die Beschneidung der männlichen Vorhaut – anders als die tatsächlich verstümmelnde weibliche Genitalbeschneidung! – zu bleibenden Schäden führt oder nicht, das mögen die Mediziner ausdiskutieren. Als Theologe wage ich zumindest zu behaupten, daß Gott nicht dumm ist und keine Verstümmelung vorschreibt. (Weisen nicht dieselben Gegner der Beschneidung sonst mit lautem Tamtam auf die bedrohlich hohe Vermehrungsrate der Mohammedaner hin?) Bei aller Schmerzhaftigkeit dieser Prozedur hat darum m.E. hier zuerst einmal das Elternrecht Vorrang.* [Siehe meinen Nachtrag vom 03.12.2016!] Sonst landen wir nämlich, wie Hannes Stein völlig zu recht schreibt, ganz schnell wieder bei einem Staats- und Erziehungsverständnis wie in der Sowjetunion.

Die ersten Schritte dahin sind übrigens schon längst vollzogen; man vgl. etwa den angeblichen „Erziehungsauftrag des Staates“, den das Bundesverfassungsgericht in Art. 7 GG hineinfabuliert hat und den unsere Hofberichterstatter (s.o.) bis zur Besinnungslosigkeit nachbeten. Hallo, hochverehrte rote Robenträger: Wenn Worte noch einen Sinn haben, dann ist Schulaufsicht etwas anderes als ein Erziehungsauftrag! Vielmehr erkennt Art. 6 GG die Erziehung der Kinder ausdrücklich als „das natürliche Recht der Eltern“ an! Und wenn schon Bundesrecht Landesrecht bricht, dann erst recht Naturrecht Bundesrecht! Aber was nützt schon der klare Wortlaut des GG, wenn er so gar nicht gemeint sein soll und nur die weisen Verfassungsrichter uns Dummerchen verklickern können, was das Bonner Orakel 1949 eigentlich sagen wollte…

Das Elternrecht stößt jedoch dort an seine Grenzen, wo Eltern ihre Kinder im Sinne einer Ideologie erziehen, die den Umsturz der bestehenden Staatsordnung zum Ziel hat. Und das trifft auf den Islam zweifellos zu, denn dieser ist letzten Endes jeder anderen Staatsform als der des Kalifats feind. Dem freiheitlichen Rechtsstaat ist darum in diesem Fall zwingend geboten, den Islam buchstäblich zu „diskriminieren“ (lat.: zu unterscheiden), d.h. anders zu behandeln. Wenn nämlich alle vor dem Gesetz gleich sind, heißt das, daß sich auch alle daran zu halten haben; wer jedoch gegen das Gesetz verstößt, muß von dem unterschieden werden und anders behandelt werden als der, der es einhält!

Bittere Ironie des Schicksals: Das geschieht bereits, aber unter genau umgekehrten Vorzeichen. Der Islam wird bevorzugt und gefördert, wo und wie nur irgend möglich. Wenn aber Politiker und Juristen anscheinend alles in ihrer Macht Stehende tun, um mit dem Islam eine verfassungsfeindliche Ideologie zu fördern, frage ich mich als juristischer Laie, was eigentlich noch fehlt, um den Straftatbestand des Hochverrats zu erfüllen.

Zusammenfassung

Es geht bei der Frage, ob die Beschneidung minderjähriger Knaben straffrei oder unter Strafandrohung verboten sein soll, um die Abwägung widerstreitender Grundrechte: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit steht gegen das Recht der Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern. Das Elternrecht aber kann und darf nur da hinter anderen Rechten zurückstehen, wo diese zweifellos Vorrang haben.[7] Sonst sind wir ganz schnell bei einem Staat, der uns in alles reinredet, selbst in unsere (hier wortwörtlich!) intimsten Familienangelegenheiten – und das ist das genaue Gegenteil dessen, wofür PI laut eigenem Selbstverständnis steht.

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[1] Dummerweise dürften sich Anhänger von NPD, DVU und andere braune Sumpfkröten Genossen, die auf PI überhaupt nicht gern gesehen sind (soviel zum Vorwurf des Rechtsextremismus), über die dort gerade grassierende Beschneidungsphobie hämisch die Hände reiben.

[2] Die Landnahme beschränkt sich übrigens – anders als die Welteroberungsgelüste des Islams – auf diese konkrete Gegend. Die drakonischen Strafen gegen die Kanaaniter begründet Gott mit deren Greueltaten, gegen die manche blutigen Bräuche des AT wie Kinderspiele aussehen. Zum Beispiel brachten die Kanaaniter ihre Kinder dem Götzen Moloch lebendig als Brandopfer dar.

[3] Den Begriff „Kirche“ verwende ich hier ganz allgemein, ohne eine spezielle Konfession im Sinn zu haben oder deren Selbstanspruch beizupflichten, sie wäre die einzig wahre Kirche. Die Spaltung der Christenheit in zahllose Kirchen etc. ist mir durchaus bewußt, ebenso, daß das Wort „Kirche“ in freikirchlichen Kreisen oft eine negative Konnotation hat. Die wahre Kirche Christi ist überall dort, wo man dem Wort Gottes, der Bibel, glaubt und gehorcht; wo nicht, da ist Christi Kirche nicht. Alles andere ist Schall und Rauch. Auch mit heiligem Bimbam und Weihrauch.

[4] Siehe den in Römer 1,29ff genannten Lasterkatalog.

[5] Vgl. z.B. Johan Bouman, Der Koran und die Juden: die Geschichte einer Tragödie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1990 (leider vergriffen).

[6] Im Judentum findet die Beschneidung am achten Tag nach der Geburt statt, im Islam im Alter von acht Jahren. Vielleicht ist das aber auch nur eine absichtliche Abweichung vom Judentum wie z.B. die Verlegung des islamischen Feiertags auf den Freitag und die Gebetsrichtung von Jerusalem auf Mekka.

[7] Nochmals: Juden und Moslems scheinen zwar in der Beschneidungsfrage auf den ersten Blick gleichermaßen betroffen zu sein, doch muß man hier differenzieren (s.o.).

* Nachtrag vom 03.12.2016: Auch hier muß man erneut differenzieren. Zwar ist die Beschneidung in jedem Alter sehr schmerzhaft, aber aufgrund der menschlichen Hirnentwicklung kann niemand sich an Ereignisse erinnern, die bis zum Alter von etwa drei Jahren stattfanden (siehe z.B. hier). Die islamische Beschneidung mit acht Jahren statt acht Tage nach der Geburt dürfte somit, weil in einem Alter bewußt erlebt, in dem Schamempfinden u.a. bereits ausgeprägt sind, durchaus bei manchen (oder vielen?) islamisch erzogenen Knaben zu einer nicht geringfügigen Traumatisierung führen. Bei jüdischen Knaben hingegen ist das nicht der Fall, da sie sich an ihre Beschneidung nicht erinnern können. Auch aus diesem Grund kann und darf man die jüdische Beschneidung nicht auf dieselbe Stufe stellen wie die islamische. Eine rechtliche Ungleichbehandlung von Juden und Moslems ist somit auch aus entwicklungspsychologischer Sicht durchaus gerechtfertigt. Es wäre m.E. daher durchaus legitim, die islamische Beschneidungssitte aus Gründen des Kindeswohls zu verbieten, die jüdische Beschneidungssitte hingegen nicht.

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