Mußte das sein? Meine Antwort an Günter Grass

Ab und an liest man mitünter,
was da schreibt der alte Günter.
In der Schule noch gezwungen,
das zu lesen, was besungen
unser Träger noblen Preises,
lauscht man heute frei des Greises
scheinbar allerletzten Worten
und muß folgendes verorten:

„Warum schwieg ich, ach, so lange?
Schande! Nun ist mir gar bange.
Denn weil ich, der Worte Meister,
allzu lang die Klappe hielt,
ham wir jetzt den Scheibenkleister,
stehen kurz vorm Weltenkrieg.
Nebenbei ich noch befind:
Schuld daran die Juden sind.“

Warum schämst du dich? Weil Schande
hat befleckt des Blutes Bande,
das in deinen Adern fließt,
der du lyrisch dich ergießt?
Scheinbar ist es wohl erwiesen,
daß aus deutschen Genen sprießen
alle Übel dieser Welt
und was sonst uns noch befällt.

Aber Günter, dummer Bube!
Warum schämst du dich? Kaschube
bist du doch, nur halb Germane;
redest du denn gar im Wahne?
Doch im Schuldkult tief versenkt sich,
der genetisch unbedenklich.
Ja, Potzblitz: Was ist denn das?
Hat sich selbst geraucht Herr Grass?

Kaum vorbei war nun der Winter
zwanzig-zwölf, da sagte Günter
das, was seiner Meinung nach
wirklich längst gehört gesagt:
„Israels Atomraketen
drohen, oh wie bös!, zu töten
Greis und Kind und Frau und Mann
in dem Friedensstaat Iran!“

„Mehr noch: Jedermann bedroht
ist vom unterseeisch Boot,
das die Bundeswehr-Marin’
sandte zur Levante hin,
auf daß Israel die Welt
damit nun in Atem hält.“
Oj Jewalt! Die letzte Tinte
trieft aus seiner Großhirnrinde…

Wenn man eins schon sagen muß:
Das, Herr Grass, ist – sorry – Stuß!
Wärmt er so nur wieder auf,
gibt der Hetze neuen Lauf,
welche Streicher, den die Würmer
längst gefressen, schrieb im Stürmer:
„Einst wie heut weiß jedes Kind:
die Juden schuld an allem sind!“

Aber klar: Es wird hienieden
überhaupt und dann erst Frieden,
wenn es Juden nicht mehr gibt;
dann hat alle Welt sich lieb.
Ob wohl dichte Rauchesschwaden
ihm den Blick vernebelt haben?
Günter Grass tut Pfeife schmauchen;
ihn kann man in derselben rauchen.

Den Originaltext von „Was gesagt werden muss“ siehe hier in der Alpen-Prawda (Süddeutschen Zeitung).
Inzwischen ist Günter Grassens Pfeife endgültig erloschen († 13. April 2015).

Unsre Lebenszeit währt siebzig Jahre,
oder achtzig, wenn wir stark sind;
und worauf wir stolz gewesen,
war vergebliches Bemühn.
Denn schnell eilt sie dahin,
als flögen wir davon.
Doch wer bedenkt, wie stark dein Zorn
und wie furchtbar ist dein Grimm?
So lehr uns unsre Tage zählen,
daß wir ein weises Herz erlangen.
(Psalm 90,10-12)

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