… die nicht wissen, was rechts oder links ist

Vorzeiten sagte Gott dem Propheten Jona, daß die Einwohner Ninives, der damaligen Hauptstadt Assyriens, rechts und links nicht unterscheiden könnten (Jona 4,11). Rund 100 Jahre später ging Ninive unter; am 10. August 612 v. Chr. machten die Babylonier die Stadt dem Erdboden gleich. Ihre Bewohner hingegen müssen sich irgendwohin gerettet haben, zumindest einige davon. So las ich kürzlich aus berufenem Munde, die Assyrer wären angeblich die Vorfahren der heutigen Deutschen.* Da könnte was dran sein, denn auch hierzulande haben zahlreiche Gut- und Bessermenschen Probleme damit, rechts und links zu unterscheiden.

Natürlich nicht wörtlich; sonst wären die Zeitungen ja voller Berichte über Verkehrsunfälle wegen falschen Abbiegens, über Geisterfahrer usw. Bei Jona steht „rechts und links“ bildlich für das Unvermögen, sich ethisch richtig zu verhalten; hier möchte ich diese Begriffe, wenngleich sie auch damit zusammenhängen, mehr im politischen Sinne abklopfen.

Es ist schon interessant, wie die Vokabel „rechts“ heute fast durchgehend mit „rechtsradikal“ oder „rechtsextremistisch“ gleichgesetzt wird, um damit alles mit Nazis oder Faschisten gleichzusetzen, was nicht bei drei auf den Bäumen, pardon: was nicht mindestens so links ist wie derjenige, der sich dieser verbalen Totschlagkeule bedient.

Zur Sache. Es geht schlicht darum, wie die Linken mittels Begriffsumdeutung Tatsachen vernebeln und ihre Gegner mundtot machen. Dazu drei Thesen.

Erstens: „rechts“ ist nicht „rechtsradikal“ oder „rechtsextremistisch“

Wäre dem so, dürfte man dann nicht auch – o heilige Einfalt! – „links“ automatisch mit „linksradikal“ oder „linksextremistisch“ gleichsetzen? Umgekehrt aber wird ein Schuh draus? Aber hoppla; jeder aufrechte Sozialdemokrat dürfte sich ernsthaft dagegen verwehren, wollte man ihn „linksradikal“ oder „linksextremistisch“ nennen! (Oder gibt es hier und da nicht doch gewisse Affinitäten zu jener Partei, die nach ihrer x-ten Umbenennung** nun das Monopol auf alles Linke beansprucht?)

Mitnichten und -neffen! Nachdem heute leider allzu viele den Propagandamärchen der Linken auf den Leim gehen, wollen wir mal bei den Gebrüdern Grimm anfangen. Nicht um ebenfalls Märchen aufzutischen, sondern um einmal die Begriffe richtigzustellen oder sie ins rechte (!) Licht zu rücken. Jacob und Wilhelm Grimm nämlich waren weit mehr als Märchensammler, sie waren die Begründer der Germanistik und erforschten auch die Bedeutung und Herkunft der Wörter der deutschen Sprache. Wie schon eben angedeutet hängt „rechts“ mit „recht“ und „richtig“ zusammen. „Links“ hingegen mit „linkisch“…

Aber lassen wir das. Früher bezeichnete man politische Ansichten als „rechts“, die bürgerlich-konservativ waren. Daß die Nazis in der Weimarer Republik im Reichstag rechtsaußen saßen, die Kommunisten hingegen linksaußen, hatte nichts mit der jeweiligen politischen Gesinnung zu tun, sondern rührt daher, daß man sie daran hindern wollte, ihre Straßenschlachten im Parlament fortzusetzen. Ansonsten – und nun kommt das, worüber die meisten Linken entweder in Wutgeheul ausbrechen oder aber betroffen dreinblicken werden – waren sich beide in ihrer Gesinnung gar nicht mal so unähnlich.

Zweitens: „rechts“ heißt was…?

Wie eben erwähnt ist die politische Rechte eigentlich das bürgerlich-konservative Lager. Konservativ heißt – für alle Nicht-Lateiner – „bewahrend“, d.h. die gesellschaftlichen Werte bewahrend. Die sind – anders, als uns unsere Politiker seit einiger Zeit immer wieder vorbeten – durchaus christlich geprägt. Also z.B. Ehrfurcht vor Gott (so wörtlich in der Präambel des Grundgesetzes!), Vater und Mutter ehren (das 5. Gebot nach biblischer Zählung; vgl. GG Art. 6), nicht morden, rauben, stehlen, Nächstenliebe üben usw. Und schaut man in der Wikipedia unter „bürgerlich“ nach, wird man auf die Seite „Bürgertum“ weitergeleitet. Dieses ist heute in Deutschland praktisch deckungsgleich mit der sog. „Mittelschicht“, also mit fast allen von uns. Das habe nicht ich mir ausgedacht, das steht da. (Seit dem Wirtschaftswunder der 1950er und 1960er Jahre muß man sogar einen guten Teil der SPD-Stammwähler zur Mittelschicht zählen.***) D.h. also: eigentlich wären die meisten von uns „rechts“, und der „Kampf gegen rechts“ geht dann gegen wen…? Nicht auszudenken, wenn wir hier weiterdenken!

Drittens: Faschos, Nazis und wie man sie auch nennt waren was…?

Dröseln wir’s mal am Beispiel der Parteinamen auf. Laut göttlich unfehlbar inspirierter atheistisch-wissenschaftlicher Lehre der Propheten Ökonomen Murks und Deubels Marx und Engels ist der Kommunismus das wiederhergestellte Paradies auf Erden; die Stufe kurz davor heißt Sozialismus. Ein solches Beinahe-Paradies waren die frühere Sowjetunion und die von ihr kontrollierten Vasallen- und Satellitenstaaten ihre sozialistischen Bruderstaaten. Nach Jahrzehnten Staatsterror und planwirtschaftlich verbockter Massenarmut beinahe paradiesischer Zustände gingen die (wie für jeden, der zwei und zwei zusammenzählen kann, bereits Ende der 1980er Jahre deutlich wurde) unerklärlicherweise allesamt den Bach runter. Die KPdSU war die Kommunistische Partei der Sowjet-Union; der Staat, den sie die russische Arbeiterschaft regierte, hieß UdSSR = „Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken“. In der DDR gab die von Moskaus Gnaden regierende vom Volk in freien Wahlen gewählte SED den Ton an: die „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands“.

Wir sehen also: In der DDR war die Partei kurz vor dem Schritt ins Paradies, in der UdSSR war sie schon drin – nur der Staat hinkte noch ein wenig hinterher.

Und nun schauen wir uns mal an, was „NSDAP“ bedeutet: „National-Sozialistische Deutsche Arbeiter-Partei“. Uuuuups! Bestimmt nur ein Tippfehler! Durchaus nicht; guckstu hier (nach politsch korrekter Ansicht böse) oder hier (vorsicht: ganz, ganz böse!)!

Zusammenfassung: Ich bin rechts, und das ist auch gut so!

„Rechts“ im ursprünglichen Sinne des Wortes ist das Bürgertum, d.i. heute (noch) die breite Masse des Volkes (noch, denn die Proletarisierung schreitet – gewollt, wie ich meine – in großen Schritten voran). Nazis hingegen waren bzw. sind nicht rechts, sondern links. Und zwar extrem links. Sie nannten sich, um das Kind nochmals deutlich beim Namen zu nennen, National-Sozialisten. Sie und die Kommunisten (letztgenannte gehören der Sozialistischen Internationale an****) waren bzw. sind im Grunde nur zwei Spielarten derselben Ideologie: des Sozialismus.

Könnte es also sein, daß in Sachen „rechts“ und „links“ ganz gehörig mit zweierlei Maß gemessen wird?

Tja. Da ham wa den Salat, liebe Jenossinnen und Jenossen. Aba dat mir det ooch keena weita verplappert!

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* Das schrieb so ein amerikanischer Sektenguru; der muß es ja von Amts wegen wissen. Nur konnte er mir nicht erklären, warum die Vorfahren der Angelsachsen, die zu den Sachsen gehörten (das sind die Vorfahren der heutigen Niedersachsen und Westfalen), keine Assyrer, sondern plötzlich Israeliten sein sollen. Hm. Mutation? Gen-Drift?

** Nur zur Erinnerung für alle Geschichtsvergessenen: „Die Linke“ ist nicht, wie in den Medien oft falsch gesagt wird, eine „Nachfolgepartei“ der SED; sie ist die SED. 1946 fusionierte in der sowjetischen Besatzungszone die KPD mit der SPD zur SED (selbstredend vollkommen freiwillig; widersprechende Genossen bekamen staatlichen Erholungsurlaub in Sibirien oder wurden tot im Straßengraben aufgefunden). Nach der „Wende“ benannte sich die SED in „Partei des demokratischen Sozialismus“ (PdS) um. Dann schluckte man ein paar linke (na ja, wohl eher linksextremistische) Wessis, die sich WASG nannten, und firmierte in „Die Linke“ um.

Aber halt: durch diese Fusion, so meinen manche, ist die SED/PdS nicht mehr dieselbe Partei; also ist „Die Linke“ dann doch die Nachfolgepartei der SED. Wirklich? Dann müßte man ja auch die heutige CDU als Nachfolgepartei der CDU bezeichnen, denn sie schluckte im Zuge der „Wende“ 1990 die DDR-CDU. (Obwohl – wenn ich überlege, wie zuerst Helmut II. und dann IM Erika St. Angie aus einer früher konservativen Partei eine neue DDR-Blockpartei gemacht haben, die unter dem Etikett „christdemokratisch“ Sozialismus pur praktiziert, dann ist dieses Argument wohl doch nicht so stringent…)

*** Noch, denn unsere derzeitige Politiker-Elite arbeitet tatkräftig an der Wiederherstellung des Proletariats.

**** Ebenso auch – huch! – die SPD; wie kann das denn nur gehen? Muß ein Irrtum sein!

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